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Gefrorene Reflexion - Eine Kurzgeschichte in Reimform

 

So fand ich mich, ich weiß kaum wie,

in kurioser Szenerie.

Der Boden war nur Eis und Schnee,

an Klippen brach entfernt die See,

der Himmel schwarz, doch voll von Sternen,

mit buntem Licht, wie aus Laternen.

Dort saß ein Mann und mich erschreckte,

dass ich auf zweiten Blick entdeckte,

dass er genau wie ich aussah -

besser gekleidet wohl, fürwahr,

da Mäntel doch dienlicher sind,

als Shirts, steht man im Arktiswind.

 

„Wer bist du?“ brachte ich hervor

Und Atem stieg als Dampf empor

„Und warum siehst du aus wie ich?“

Er sah nun auf und regte sich.

 

„Ich denk, auch mein Äußeres beweist -

erkundigst dich weder des Orts,

noch nach der Art deines Transports -

dass du nur um dich selber kreist.“

 

Und dacht ich auch, ich wär im Traum,

hielt mich das nunmehr nicht in Zaum.

Selbst dort nimmt man nicht alles hin -

zum Beispiel Spott gleich zu Beginn.

 

„Versteh schon, ganz der Literat,

doch Ort und Art sind auch verfehlt.

Der Grund für meine Gegenwart -

ist er es nicht, der wirklich zählt?“

 

„Dein Temperament scheint nicht vereist.“

sagte er dann und grinste dreist.

Ich denke, du hast viele Fragen,

sie zu stellen könntest du wagen,

und sehen ob das den Zweck beweist.“

 

„Verzeih, doch ich bin recht gespalten,

denn ohne jemanden zu kennen

drauf hoffen, Antwort zu erhalten…“

„Zu viele Namen, sie zu nennen,

doch glaub mir, dass ich Fragen löse,

und Ruhe bring in die Getöse

die scheinbar Herz und Geist verbrennen.

Es war ein richtiger Beginn,

dich auf den Grund zu fokussieren,

doch sollst du mehr leisten, als frieren!

Sag du: Was ist der Lebenssinn?“

 

Das ruhige Himmelsbild zerbrach,

während er diese Worte sprach.

Ich sah Planeten, Galaxien,

Sonnen, so strahlend, dass es schien,

als ob das Lichtermeer zuvor

ein jämmerliches Bild beschwor.

Nur der Gedanke, dass ich schlief,

zog meinen Geist aus diesem Tief.

Wie oft kommt man denn schon in Lagen,

den Lebenssinn zu hinterfragen?

Obwohl der Wind kalt nach mir stach,

dachte ich also gründlich nach.

 

„Der Spaß, wie wohl so mancher meint?

Was wäre denn das Leben ohne?

Niemand der mit dem Freund vereint,

wird sagen, dass sich das nicht lohne!“

 

Ich sah, wie er den Arm ausstreckte

und scheinbar wieder Zauber weckte,

denn glatte Wände fuhren leise

gen Himmel aus dem dickem Eise.

Wir waren gänzlich nun umschlossen,

doch gab ich nichts auf solche Possen.

Denn auch im Traum bemerk ich nüchtern,

wenn man versucht, mich einzuschüchtern.

Dann, schnell flackernd wie ein Stroboskop,

sah man, wie Licht das Eis durchwob.

Auch Bass hob an, und dessen Schlagen

brannte sich ein in Kopf und Magen.

 

„Und während diesen Episoden

in grellen, wild zersprengten Lichtern,

mit Kreischen auf dunklen Gesichtern,

liegt Sinn wohl auf dem Bierglasboden?

Die Menschen überdreht und kalt,

und offenherzig nur die Kleidung,

Alkohol dient der Angstvermeidung,

Lärm, in dem Stille wiederhallt.“

 

Weil es so lärmte und so blitzte,,

sah ich, dass ich trotz Kälte schwitzte.

Ich ließ es mir doch nicht entgehen,

ihn nur leicht spöttisch anzusehen.

 

„Nun gut, wir wollen zynisch sein?

Dann sage ich halt nun: das Geld.

Am besten setzt man es dann ein,

um was zu sehen von der Welt.“

 

Dem folgend, einer Leinwand gleich,

wurden die Gletscher bilderreich

und zeigten Seen, Gebirge, Felder,

Strände, Flüsse, Wiesen, Wälder…

 

„Ohja, ein ganzes Leben reisen!

Dort laufen, wo noch niemand lief,

seh Länder nur durchs Objektiv,

um es im Netzwerk zu beweisen.

Man kann, so muss ich daraus schließen,

wenn man es online nicht erzählt,

und weiß, dass Neid so manchen quält,

den Urlaub gar nicht mehr gen…“

„Jetzt aber nicht auf Spatzen schießen!

Das gilt für Einzelne, nicht Massen.

Die meisten gehen, weil sie beschließen,

den Alltag hinter sich zu lassen.

Das schien nicht ins Konzept zu passen,

doch nahm er es scheinbar gelassen.

 

Vielleicht liegt ja der Sinn auch hier:

Dem Alltag oft ein Schnippchen schlagen.

Bevor ich einfach vegetier,

etwas probieren! Etwas wagen!“

 

Plötzlich fühlt ich mich warm und jung,

er sah es mit Belustigung.

Die Wände, noch während ich sprach,

ahmten nun schnellen Herzschlag nach,

indem sie feuerrot pulsierten

und uns mit heißem Licht verzierten.

 

„Ja, da muss sein, was manchen zwingt,

der Surfen auf dem Zugdach schätzt,

Motorräder auf Straßen hetzt,

am Gummiband von Brücken springt…

Nun, Todessehnsucht oder Mut?

Können wir Leben nur bejahen,

mimen wir auch des Endes Nahen

und rühmen uns mit Heldenblut?

 

„Dann werf ich ‚Freiheit‘ in den Raum,

viel Leben gab man für sie hin.

Sie ist der große Menschheitstraum,

der erste Preis, der Hauptgewinn!

 

Die Wand verschwamm und nun verharrten

dort Augen die hinunter starrten.

 

„Und diese Freiheit hast du heute?

Wie kann man sie genau verstehen?

Vielleicht Menthol-Drops-Werbung sehen?

Oder fragt man gewählte Leute?

Marionetten an den Schnüren

von Puppenspielern in den Schatten,

die uns so leicht lenken wie Ratten

und ein Theaterstück aufführen?

Doch machen wir’s ja nicht grad schwer,

das Fernsehen hat uns längst verdummt

und während man noch fröhlich summt,

gibt man all seine Daten her…

„Ja, kritisieren ist nicht schwer!

Selbst wenn man nichts dagegen tut,“

Ganz langsam spürte ich die Wut

sieht man stets in sich selber mehr -

im Zweifel hätt man schon den Mut…“

Kritik vertrug er gar nicht gut,

doch zwang er sich zu ruhigem Blut.

 

„Ich wär ja gern zum Streit bereit,

doch möchte ich nicht, dass du bald gehst

und immernoch nicht viel verstehst,

denn wir haben nicht ewig Zeit.

 

Ich dacht kurz dran zu rebellieren,

doch war auch mir nicht nach pausieren.

Der Ort war dazu nicht geschaffen.

So schärfte ich mental die Waffen.

 

„Ich weiß, um Liebe geht’s primär!

Wie konnte ich das bloß nicht sehen?

Unleugbar omni-zirkulär!

Das musst selbst du dir eingestehen!“

 

Das Eis beherrschte wohl auch Zeit

und zeigte nun Vergangenheit.

Erinnerung, ein Fieberschub,

den ich einst absichtlich vergrub.

Ich fühlte wieder diesen Frieden,

der mir nur damals war beschieden.

Heut war da Chaos, schnell und hässlich,

und der Verlust schien unermesslich.

 

„Nun, eine interessante Sicht.

Sie bietet wohl das Lebensglück,

aber wie lässt sie dich zurück,

wenn alles auseinanderbricht?“

„Bin glücklich, dass ich geliebt hab!“

„Und der Spruch ist dein Wertmaßstab?

Ist alles denn nur  leichter Scherz?

Verspürst du nicht noch heute Schmerz?“

Er zeigte leichthin auf mein Herz.

„Nahm sie nicht mehr, als sie dir gab?“

 

So schnell, als hätte es geblitzt,

brannte mein Herz wie eingeritzt.

Mein Knie schlug runter auf das Eis,

vor meinen Augen alles weiß.

 

„Liebe will heute doch niemand säen,

das Fruchtfleisch zählt und nicht die Kerne

wir rufen ‚Nähe‘, fühlen Ferne -

bloß Körperliches nie verschmähen!

 

Ich spürte Wind, der, plötzlich scharf,

mich hart gegen den Gletscher warf,

wo ich, durch eben diesen Hieb

zusammengekrümmt liegen blieb.

„Warum?“ zischte ich ohne Flehen,

versuchte langsam aufzustehen.

Die Stimme begann anzuschwellen:

„Glaub nicht, ich will dir das vergällen,

doch um den Sinn bald zu begreifen,

musst du auch in den Schatten reifen,

nicht immer fliehen, sondern dich stellen.

Ich muss den Sinn nochmal erfragen,

wirke ich gerade auch sehr rüde…“

„Freundschaft?“, keuchte ich taub und müde.

„Nicht schlecht, doch eine Plattitüde.

Wie oft willst du es denn ertragen?

Obwohl du Treue oft bewiest,

gekämpft für sie hast und gelitten,

empfänglich für fast alle Bitten,

du einsam doch von Dannen ziehst?

Freunde, solang du ihnen nützt,

und bist du hübsch, wirkst du gleich netter…“

„Und wenn dich niemand unterstützt?

Jeder braucht irgendwann mal Retter!

‚Allein und stolz drauf!‘ ist doch ärmlich…“

„Und Kriechen ist weich und erbärmlich!“

 

Der letzte Satz klang laut und schrill,

der Schrei verging, es wurde still.

Das Eis war matt, fort das Gefunkel,

und seine Augen blitzten dunkel.

Ich spürte, nun ging es vorbei,

es war mir jetzt fast einerlei.

In mir erlosch ein jeder Schwung,

mein Kopf voll Abenddämmerung,

Und es begann nun zu verglimmen,

der letzte Funken und die Stimmen,

die klangen weder nah noch weit

so voll von Kälte, Hass und…Leid?

 

Da plötzlich hatte ich verstanden,

die Winde, die mich vorher banden,

verstummten, fast wie auf Geheiß,

um mich herum schmolz langsam Eis,

beobachtet, entsetzt und wild,

von diesem dunklen Ebenbild.

 

„Was soll das? Wie kannst du es wagen?“

„Verzeih, durchbrach ich kurz dein Klagen,

Mein Bein wollte mich wieder tragen.

du Blindester unter den Blinden?

Ich spürt die Schwäche langsam schwinden.

Auf Fragen, die an Menschen nagen

wirst du niemals die Antwort finden.

Denn du bist keine hohe Macht,

auch wenn du es bestimmt gern wärst,

du bist nur der, der niemals lacht,

während du dich von Groll ernährst.

Du denkst, du hortest all das Wissen,

dabei hast du nur aufgegeben,

siehst Heiles nicht vor lauter Rissen

und sprichst nur spöttisch übers Leben.“

 

„Das ist die Zeit um abzudanken!“

Er sprang nach vorn, geriet ins Wanken,

blockiert durch unsichtbare Schranken.

Das Eis fing an sich abzusenken.

„Das würd ich nochmal überdenken.

Solltest du DEIN Gemüt nicht kühlen,

wird Meereswasser dich ertränken,

und in Vergessenheit dann spülen.

 

Ich spürte seinen Hass anfachen,

doch zwang er sich zu einem Lachen.

 

„Na, na, was soll denn all der Zwist?“

„Ich hab verstanden, was du bist.

Kein hohes Wesen, wie betont,

du bist der Schatten voller List,

die Dunkelheit, die in mir wohnt.

 

„Was ist das Dunkle, was das Helle?

War dir dein Leben mal ein Graus,

wer half dir immer wieder aus?

War ich dann nicht sofort zur Stelle?

 

„Ja, und du hast mich betrogen…“

„Das ist verdammt noch mal gelogen!“

Er blickte auf die dunklen Wogen:

Eisbrocken die ins Wasser flogen.

Das schien ihm vorerst zu genügen.

„Ich habe nichts hinzuzufügen.“

 

„Vielleicht freut es dich dann zu hören,

hieltest du mich auch auf Trab,

um mich letztendlich zu zerstören,

dass ich dennoch die Antwort hab.

Du fragst ‚Was ist der Sinn im Leben‘?

Von dem werd ich dir nun berichten!

Lag ich bis jetzt auch nur daneben,

lautet die Antwort doch: Geschichten!“

 

Als ob er wirklich drüber sann,

sah er mich lange schweigend an.

Erst wirkte er bloß irritiert,

dann offenkundig resigniert.

 

„ ‚Geschichten‘ soll die Antwort heißen?

Von wem, an wen und, tja, worüber?

Selbst ich, als enttarnter Betrüger ,

denke schon dran, jetzt hinzuschmeißen.“

 

„Wir finden auf all unsern Wegen

Freundschaft, Liebe, Freiheit, Spaß -

Geschichten, die uns stetig prägen,

die niemand schrieb, niemand vergaß.

Wir müssen sie mit Menschen teilen,

um Ihren ebenso zu lauschen,

deshalb dürfen wir nicht verweilen,

müssen erleben, müssen tauschen.

 

„Das klingt ja so edel und fein,

doch hat man nicht die Möglichkeit -

kein Lebenssinn dann weit und breit?

Oder ist er dann nur zu klein…?“

„Wir müssen selbst Geschichten sein,

die zu erzählen es sich lohnt!

Nicht statisch werden wie ein Stein,

nein, stets im Wandel wie der Mond!

 

„Das meint doch aber bloß manch Gaffer,

ist’s doch sein Bild, das variiert…“

„Du weißt, das war eine Metapher,

nun sei mal nicht so echauffiert.

Ich weiß, du versuchst Zeit zu schinden,

dein Plan war fast schon aufgegangen,

ich sollte hier im Eis verschwinden

und du Kontrolle dann erlangen.

Er schien nun sprungbereit zu bangen,

die Zornesröte auf den Wangen.

 

„Und wenn’s so wär, wär das verkehrt?

Ich kenn das Mittel für Respekt

und wie es manch einen erschreckt -

Ein Narr, der sich dagegen wehrt!

Du bist ganz pfiffig, das ist wahr,

doch hilft das, wenn sie dich verspotten,

sich gegen dich zusammenrotten?

Allein gegen die ganze Schar?“

„Mit dir wird’s nicht einmal ein Paar,

wenn wir uns auf den Zorn versteifen…“

„Du warst so faul, ich ließ es schleifen!

Ich merk, obwohl sie niemals reifen

und deswegen nur auf mich pfeifen,

endet hier nun jedes Abschweifen!“

Er fing nun an, umherzustreifen,

scheinbar bereit gleich anzugreifen.

In seinem Blick sah ich noch Gier,

urplötzlich stand er neben mir,

ein Schmerz schoss bis in meine Seele…

„Du glaubst, du gibst hier die Befehle?

Doch was tust du, wenn ich nun stehle…?“

„Ich sagte, dass ich’s nicht empfehle!“

keucht ich aus zugeschnürter Kehle.

Das Eis unter ihm wurde weich

und brach dann, eines Tunnels gleich,

vertikal runter bis ins Meer.

Er schlug gegen die Wände schwer,

und fiel dann hart auf dunkle Wellen,

die nun noch fingen anzuschwellen.

Er brach kurz aus den Wellenhügeln…

„Na gut, dann hilf mir mich zu zügeln!

Wir heilen jedwede Beschwerden,

können dadurch Geschichte werden -

gemeinsam - und uns stets beflügeln!“

 

„Ach,  jetzt bringt uns Geschichte nah?

Wie wär’s denn wenn wir so verbleiben,

dass ich’s  nur dahingehend bejah:

Du wirst sie sein, ich werd sie schreiben?“

 

„Was heißt denn dieser ganze Kram?

Sonst warst du doch devot und zahm…

Ich sah, wie er, nun halb im Scham,

aufhorchte und ins Stottern kam.

„Warum klingt jetzt mein Wort so lahm?“

„Weil es bereits den Anfang nahm.

Geschichte entsteht auf Papier -

Nimm es bitte ohne Gram,

doch du bist jetzt ein Teil von ihr.

Und somit kannst du nicht vergehen,

doch darfst du nie wieder bestimmen.

Ich hoffe, dass wirst du mal sehen.

und dann fest stehen, statt zu schwimmen.“

 

Um mich herum entstand ein Schimmer.

„Der Abschied hier ist nicht für immer!“

„Ja, das ist auch für mich verständlich…“

„…denn mit sich selbst kämpft man unendlich.“

Ich nickte knapp, mein Hals wurd rauer,

in seinen Augen lag nun Trauer.

So blickten wir sehr lange stumm,

dann drehte ich mich schließlich um.

Er blieb im dunklen Eis allein

Und ich trat in den Sonnenschein.

 

PaleBlue




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